Thomas Bernhard und der rote Stier

Ich habe vor kurzem Thomas Bernhards Bücher für mich entdeckt. Alles hat mit einem Video aus der Reihe „Lauter schwierige Patienten“ von Marcel Reich-Ranicki angefangen, in der er deutsche Schriftsteller seiner Gegenwart diskutiert und vorstellt.
Das Video über Thomas Bernhard ist nicht besonders spannend. Ranicki scheint auch nicht besonders von ihm beeindruckt zu sein, er äußert einen gewissen Respekt und hebt die Einzigartigkeit Bernhards Prosa hervor, die durch manische Wiederholungen und eindringliche Psychogramme zu beeindrucken weiß. Die Erzählungen „Die Mütze“ und „Der Zimmerer“ werden von Ranicki besonders gelobt. Also habe ich diese gelesen …
Und dann noch mehr gelesen und war verwirrt und beeindruckt. Bernhard schafft mit einfachen Mitteln eine sehr beklemmende und merkwürdige Atmosphäre. Seine Geschichten sind voller Wahnsinn und sprachlicher Finesse. Aber es gibt nur wenig Abwechslung. Die Themen wiederholen sich, alles dreht sich um Verfall, Tod und Leiden. Nach wenigen 100 Seiten Bernhard hatte ich erstmal genug.
Zu empfehlen ist eine interessante Dokumentation über Bernhard, die es vollständig bei youtube zu sehen gibt.

„Die Ursache bin ich selbst“: https://www.youtube.com/watch?v=Bcu8OzS-vyg&t=2s

Das folgende Gedicht habe ich einigen Szenen aus dieser Dokumentation verschuldet zu Papier gebracht.

Blut und Spiele

Es ist ein wunderschöner Tag,
die Sonne scheint, wohl 30 Grad.
Ein Schmetterling schwingt durch die Luft
und Blumen sprühen Frühlingsduft.

Ein Wortewirrwarr klingt im Wind,
die Menge freut sich, jemand singt.
Die Menschenmassen strömen strikt
zum Eingangstor und jeder blickt

kurz vor dem Eingang auf den Bogen
auf dem in roten Lettern oben
steht: „Heute, hier, in dieser Stadt
das Schauspektakel feinster Art.“

In der Arena kalter Staub.
Die Hufen wirbeln Erde auf.
Kalt sind die Speere und die Spitzen,
die bald in meinem Rücken sitzen.

Kalt sind die Augen, Tausend schauen.
Sie staunen, raunen, Männer, Frauen.
Sind von dem Schauspiel fasziniert,
das greifbar nah für sie passiert.

Und der Torero schwingt das Tuch,
das ich mit meinen Hörnern such.
Ich kann nicht anders, nein, ich muss,
es ist mein Fluch und fremde Lust,

der Reiz, der über Ratio siegt,
die Sucht, die einen immer kriegt.
Bevor der letzte Stich mich bricht,
seh ich den Schmetterling, der fliegt.

Kaiserslautern, 25.02.2017

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